Las Vegas - Strip vs. Nature

Wasser und Energieversorgung in Las Vegas

Posted by Marc Julian Schwarz on Tuesday, November 5, 2019

1 Rien ne vas plus

Rien ne va plus“, französisch für „Nichts geht mehr“. Ein Satz, der vor allem bei dem Glücksspiel Roulette verwendet wird. Am meisten zu hören ist er wahrscheinlich in Las Vegas, der bekanntesten Glücksspielmetropole der Welt.

Las Vegas befindet sich zwischen dem Great Basin und der Mojave Wüste und ist mit etwa 644.000 Einwohnern (Stand 2018), die größte Stadt des US-Bundesstaats Nevada. (Census 2018 [1]) Außerdem wird sie jährlich von ungefähr 40 Millionen Touristen besucht, die ihre Zeit vor allem in Hotels, Casinos, Shoppingmalls oder in einer der vielzahligen Shows verbringen. (Reuschenbach 2014, S.1) Für die meisten ist die ständige Unterhaltung, das was die Stadt ausmacht. An den viel befahrenen Straßen begeistern große und aufwändige Wassershows, ganze Hotelanlagen werden in der Nacht von Scheinwerfern beschienen und es findet sich kaum ein Ort, an dem es keine Neonröhren gibt. Im Inneren der Gebäude wartet gekühlte Luft und Luxus in allen Formen. Die Hotels können ohne Probleme tausende Touristen am Tag rund um die Uhr mit Wasser versorgen und auch die Wasserspiele laufen endlos weiter. Doch wie funktioniert die Stadt mitten in der regenärmsten Wüste der USA? Wie wird die Wasserversorgung sichergestellt an einem der heißesten Orte der Welt und wie kann eine Stadt mit so vielen Einwohnern und jährlichen Touristenmassen durchgehend mit Strom versorgt werden? Was muss geschehen, damit Las Vegas trotz der Schwierigkeiten weiterhin seinen Glanz behält und es in der Zukunft zu keinem „Rien ne va plus“ kommt?

Zu Beginn der Arbeit werden allgemeine Daten zu Las Vegas beschrieben, insbesondere der Stadtbau, das Naturvorkommen innerhalb der Stadt und die umliegende Natur mit deren geografischen Gegebenheiten. Daraufhin erfolgt eine Analyse zur Wasserknappheit in Las Vegas, in der auch aktuelle und zukunftsweisende Lösungsansätze dieses Problems beleuchtet werden. Im Anschluss daran folgt eine weitere Analyse, in der das zweite Problem, die herausfordernde Energieversorgung der Stadt, näher betrachtet werden soll. Abschließend wird ein Ausblick auf die Zukunft der Stadt Las Vegas gegeben, in dem sowohl positive als auch negative Aspekte dieser Zukunft angesprochen werden.

2 Allgemeine Daten zur Stadt Las Vegas

2.1 Stadtbau von Las Vegas

Die Agglomeration Las Vegas Valley lässt sich grob in zwei Bereiche einteilen. Der flächenmäßig größte Bereich der Metropolregion besteht aus den Orten North Las Vegas, Sunrise Manor, Winchester, Spring Valley, Paradise, Henderson, Enterprise, Summerlin, Summerlin South und Las Vegas (s. Abb. 1). Die Bevölkerung hat in der gesamten Metropolregion bereits um die zwei Millionen Einwohner erreicht und nimmt jährlich um circa fünf Prozent weiter zu. Weil der Stadtkern bereits dicht besiedelt ist, werden die Menschen nach außen gedrängt. Durch diese starke Suburbanisierung sind die Vororte von Las Vegas entstanden, die das Stadtbild mit ihren großen Einfamilienhäusern prägen. (Reuschenbach 2014, S.1) Das Wachstum dieser Vororte wird allerdings durch Gebirgszüge, Wüsten und Gewässer an den Rändern der Metropole begrenzt. (s. 2.3 Natur im Umfeld von Las Vegas)

Der andere Bereich befindet sich im Zentrum dieser Vororte von Las Vegas, und besteht aus dem Gebiet rund um den „Strip“. Der Strip (engl. für Streifen) ist ein etwa 7 Kilometer langer Abschnitt des Las Vegas Boulevard, der vom Süden aus vom „Mandalay Bay Resort and Casino“ bis zum „Stratosphere Tower“ im Norden verläuft (s. Abb. 1, rot markiert). An diesem Straßenteil befinden sich die größten Casinos und Luxushotels der ganzen Stadt. Unter anderem vier der bekanntesten Hotels, wie das 1,25 Milliarden teure Freizeitzentrum Bellagio, das Venetian Casino Resort, das circa zwei Milliarden Dollar gekostet hat, das Circus Circus Hotel und das Wynn Las Vegas. Sowohl das Hotel Bellagio als auch das Wynn Las Vegas, welches bis zur Eröffnung das teuerste Casino der Welt war, wurden vom Milliardär und Imobilienmongul Steve Wynn finanziert und geplant. (Davis 1999, S.1)

Der „Strip“ bildet also sowohl das Unterhaltungszentrum als auch den bekanntesten und somit von Touristen meistbesuchten Teil von Las Vegas während die restliche Fläche von den eigentlichen Bewohnern genutzt wird.

Abb. 1: Karte Las Vegas (Einzeichnung "Strip") Abb. 1: Karte Las Vegas (Einzeichnung "Strip")

2.2 Naturanlagen in Las Vegas

Las Vegas ist nicht gerade für eine atemberaubende Natur bekannt. Und tatsächlich lassen sich in großen Teilen der Stadt nur vereinzelt Pflanzen ausmachen. Am Strip (s. 2.1 Stadtbau von Las Vegas) sieht man zwar hin und wieder eine Palme am Straßenrand, allerdings ist die Umgebung sonst eher von weiten Asphaltflächen und großen Gebäuden gekennzeichnet. Im Gegensatz dazu gibt es im Inneren einiger Hotels und Casinos ganze Naturanlagen, bestehend aus vielen exotischen Pflanzen und Tieren, die durch künstliche Bewässerung am Laufen gehalten werden. Ein bekannter botanischer Garten, ist der „Bellagio Conservatory & Botanical Garden“, der sich im Bellagio Hotel befindet. Auf einer Fläche von ungefähr 13.000 Quadratmetern werden dort zu jeder Jahreszeit jeweils passende Pflanzen und andere Sehenswürdigkeiten von Gärtnern und Designern installiert. (Bellagio Conservatory & Botanical Garden 2019 [2]) Weiter vom Mittelpunkt der Stadt entfernt, in Richtung der Vororte von Las Vegas, häufen sich die Grünflächen. Wobei auch diese, vor allem künstlich angelegte Plätze zum Golf, Racket oder Tennis spielen sind und deshalb ständig durch künstliche Bewässerung gepflegt werden um nicht in der extremen Hitze zu vertrocknen. In den Gärten der Einfamilienhäuser am Rand der Stadt (s. 2.1 Stadtbau von Las Vegas) gibt es nur vereinzelt Grasflächen, da diese meistens schon durch einen Pool oder einen Sandgarten besetzt sind. (Google 2019 [3])

2.3 Natur im Umfeld von Las Vegas

Las Vegas liegt zwischen der Great Basin Wüste nördlich der Stadt und der Mojave Wüste im Süden. Die Great Basin Wüste ist die größte zusammenhängende Wüste Nordamerikas und erstreckt sich über fast ganz Nevada. Sie wird durch sehr viele Täler und bis zu 3.000 Meter hohe Gebirgsketten gekennzeichnet. In den 1.000 bis 1.500 Meter hoch gelegenen Becken besteht die Vegetation vor allem aus Kleinstrauchsteppen. Ansonsten wachsen hier wegen hoher Temperaturen und geringem Niederschlag nur vereinzelt Pflanzen, wie Kakteen und andere Sträucher. (Martin 2019 [4])

Die Mojave Wüste ist die kleinste nordamerikanische Wüste, welche allerdings von hohen Gebirgen, wie der Sierra Nevada im Westen, den San Bernadino Mountains im Süden und etwas niedrigeren Bergzügen im Norden umgeben ist. Diese fast vollständige Abgrenzung führt dazu, dass feuchte Pazifikwinde, Wolken oder Winterstürme nur schwer in die Wüste gelangen können. Darum gilt die Mojave-Wüste auch als regenärmster Ort Amerikas. Im Death Valley, das etwa 200 km von Las Vegas entfernt liegt, beträgt die durchschnittliche Jahresniederschlagssumme nur etwa 40 mm. Auch die Temperaturen erreichen dort Rekordhöhen, wie etwa im Juli 1913 als die bisher höchste registrierte Temperatur von 57 °C im Schatten gemessen wurde. Die Mojave Wüste ist keine reine Sandwüste, deshalb wachsen hier auch einige Pflanzen. Natürlich können nicht alle in solch einer lebensfeindlichen Region überleben, weswegen auch hier besonders viele kleine Büsche und Kakteen in den tiefer gelegenen Gebieten wachsen. In den höher gelegenen Bereichen stehen größere Pflanzen, sogenannte Joshua Trees, welche nur in der Mojave Wüste vorkommen. (ebd.)

Zwischen der Mojave Wüste und Las Vegas befindet sich die „Sloan Canyon National Conservation Area“, welche eine Höhe von bis zu 1.500 Meter erreicht. (s. Abb. 2, Pfeil) Dort findet man vor allem sogenannte Petroglyphen, also in den Stein gemeißelte prähistorische Felszeichnungen.

Um dieses Kulturgut zu bewahren und vor Vandalismus zu schützen, wird durch das „Bureau of Land Management“ sowohl das Bekanntgeben von exakten Positionen zu den Zeichnungen, als auch Camping und Offroad-Touren in dem Gebiet verboten. (BLM 2019 [5])

Im Westen von Las Vegas liegt in circa 27 Kilometer Entfernung der „Red Rock Canyon National Park“ mit der für den Park typischen roten Felslandschaft. Die Berge sind hier auch bis zu 2.500 Meter hoch. (s. Abb. 3, roter Kreis)

Die „Lake Mead National Recreation Area“ befindet sich östlich von Las Vegas. In diesem Areal liegen sowohl der Lake Mead als auch der Lake Mojave. Beide Seen sind Stauseen, die durch das Anstauen des Colorado River und seines rechten Nebenfluss Virgin River entstanden sind. (s. Abb. 4)

Abb. 2: Topografische Karte Nevada (Las Vegas) Abb. 2: Topografische Karte Nevada (Las Vegas)

Las Vegas wird also von allen Seiten durch Gebirge oder Gewässer natürlich begrenzt. Das hat zur Folge, dass sich die Stadt flächenmäßig nicht mehr viel ausdehnen kann. Allerdings wirken diese Barrieren besonders im Norden, Westen und Süden wie eine Wand. Dadurch können, wie es in der Mojave Wüste selbst schon der Fall ist, Wolken schlecht in das Tal eindringen aber auch der Smog von Las Vegas findet keinen Ausweg. Es sammelt sich also Hitze und schlechte Luft, weswegen es nachts in der Stadt circa 10° Celsius wärmer ist als in der Umgebung. (s. Abb. 2)

3 Wasserversorgung Las Vegas

3.1 Folgen und Ursachen der Wasserknappheit in Las Vegas

3.1.1 Ursachen der Wasserknappheit

Der Wasser-Fetischismus Steve Wynns (der einmal vorschlug, die Fremont Street in der Downtown in ein pseudovenezianischen Canale Grande zu verwandeln) setzt den Maßstab für die Wasserverschwendung in Las Vegas: 1586 Liter pro Kopf, gegenüber 930 in Los Angeles, 705 in Tucson, und 485 in Oakland.“ - (Davis 1999, S. 2)

Davis beschreibt hier sehr gut, wie Las Vegas zu Wasser steht. Der Wasser-Fetischismus Steve Wynns bezieht sich auf den Mann, der für den Bau von einigen der größten und teuersten Hotels der ganzen Stadt verantwortlich ist (s. 2.1 Stadtbau von Las Vegas). The Fountains of Bellagio ist ein riesiges Wasserspiel, direkt vor dem gleichnamigen Hotel Steve Wynns, das auf einer Länge von circa 300 Metern mithilfe aufwändiger Technik über 1.000 Wasserstrahlen in komplexen Figuren auf eine Höhe von bis zu 140 Metern schießt. Neue Shows starten an Abenden alle 15 Minuten und sind für Zuschauer kostenlos. (Bellagio 2019 [6]) Auch das Venetian Casino Resort trägt zur Wasserverschwendung bei. Das Hotel wurde der Stadt Venedig nachempfunden. Dementsprechend gibt es Kanäle, gefüllt mit Wasser, die sich durch das ganze Gebäude ziehen. Schon am Eingang befindet sich eine große Wasserfläche, auf der Gondeln anlegen, mit denen Besucher durch die Anlage gefahren werden. (Venetian 2019 [7])

Trotz der vielen Touristen, die in den Hotels versorgt werden müssen und dem „Wasser-Fetischismus“, welcher die Stadt prägt, tragen die Hotels nur zu 7 % des gesamten Wasserverbrauchs in Las Vegas bei. (s. Abb. 3) Den nächstgrößeren Anteil am Wasserverbrauch hat die großflächige Bewässerung. Damit sind vor allem die vielen Golfplätze gemeint (s. 2.2 Naturanlagen in Las Vegas), welche wie grüne Oasen in der sonst kargen, trockenen Wüste wirken. Mit ganzen 9 % übertreffen sie die Hotels und unterstreichen nochmal wie viel Wasser tatsächlich unnötigerweise verschwendet wird. (s. Abb. 3) Sogar Dale Hahn, der für die Instandhaltung des Golfplatz TPC Summerlin zuständig ist, sagt, dass rund 40 Golfplätze für eine Stadt in der Wüste zu viel seien. (Bergmann 2013 [8]) Auch beim Thema Golfplatz setzt Steve Wynn den Maßstab sehr hoch. In seinem „Wynn Golf Club“ befindet sich nämlich sogar ein ganzer Wasserfall, der den Park ziert. (Wynn Las Vegas 2019 [9])

Auf Platz zwei mit 19 % steht die Industrie und der Handel von Las Vegas. Im Vergleich zu anderen großen Städten in Europa ist dieser Prozentsatz relativ gering, da in Las Vegas nur wenige Industrien wie die Glücksspiel- und Tourismusindustrie ansässig sind. (s. Abb. 3) (Dzombak 2014 [10])

An der Spitze steht die Versorgung der Bevölkerung mit 65 %, dazu zählen sowohl der Verbrauch in den Häusern als auch in deren Gärten. Bei insgesamt 2 Millionen Einwohnern, die alle in einer Wüste (s. 2.3 Natur im Umfeld von Las Vegas) leben, ist es verständlich, dass der Wasserverbrauch für den Garten und auch für die eigene tägliche Versorgung höher sein muss als in anderen Regionen. (s. Abb. 3) Allerdings wie sich aus den vorher genannten Punkten schließen lässt, dient Wasser in Las Vegas oft als verschwenderischer Luxus. Gerade deswegen steigt der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Person auf 1586 Liter. Im Vergleich dazu haben andere Großstädte wie Los Angeles mit 930 Liter pro Kopf, Tucson mit nur 705 Liter und Oakland mit nur einem drittel von dem einer Person in Las Vegas, einen weitaus niedrigeren Verbrauch. (Davis 1999, S. 2) Gerade im Vergleich mit Europa, in dem nur 12 % des jährlichen Wasserverbrauchs für Haushalte verwendet wird, fällt der extreme Unterschied auf. (EEA 2019 [11])

Abb. 3: Verteilung des gesamten Wasserverbrauchs in Las Vegas 1993 (eigene Darstellung mit Daten von POYNER, 1998: S.5) Abb. 3: Verteilung des gesamten Wasserverbrauchs in Las Vegas 1993 (eigene Darstellung mit Daten von POYNER, 1998: S.5)

3.1.2 Folgen des hohen Wasserverbrauchs

Als Tourist sind die Folgen des zu hohen Wasserverbrauchs fast nicht wahrnehmbar. Aufgrund der klimatisierten Gebäude, Wasserspiele oder befeuchteten Fußwege merkt man kaum, dass sich die Stadt in einer Wüste befindet. Trotzdem kommt es oft zu erheblichen Versorgungsengpässen. Schätzungen zufolge geht Las Vegas, unter Berücksichtigung des fortschreitenden Klimawandels, Trockenzeiten und Folgen von El Nino, bis 2021 das Wasser vollständig aus. (Reuschenbach 2014, S.2) Etwa 10 % des Wassers stammt aus wenigen Grundwasseraquiferen, welche allerdings schon lange nicht mehr erneuert wurden und den Ansprüchen der Stadt nicht mehr gerecht werden. Diese Überbeanspruchung führt nicht nur dazu, dass es schneller zu Engpässen in der Versorgung kommt, sondern auch zu einer weitverbreiteten Absenkung des Baugrundes. Seit den 60er-Jahren hat sich der Strip um einen Meter nach unten verschoben, weswegen die Bebauung in einzelnen Bereichen sogar aufgegeben werden muss. (ebd.) Ungefähr 90 % des Wasserbedarfs kommt daher aus dem 50 km von Las Vegas entfernten Lake Mead (ebd.), welcher durch das Aufstauen des Colorado River mithilfe des Hoover Damms entstanden ist. (s. Abb. 4) Mit rund 35 Milliarden Kubikmeter Fassungsvermögen ist Lake Mead der größte Stausee der USA. Durch ihn werden die Bundesstaaten Nevada, Arizona als auch Kalifornien mit Wasser versorgt. Die Menge des entnommenen Wassers ist gesetzlich festgelegt und kann somit nicht einfach überschritten werden. Trotzdem ist der Wasserspiegel seit 1998 kontinuierlich gesunken und hat bis heute (Stand 2014) rund 39 Meter an Höhe verloren. Diesen Verlust können selbst regenreiche Winter nicht mehr rückgängig machen, da die Verdunstungsrate des Sees immer höher wird je niedriger der Wasserspiegel ist und auch der Verbrauch der Städte stetig steigt. (Reuschenbach 2014, S.2) Aufgrund der explosionsartigen Entwicklung Las Vegas, die größtenteils nicht vorhergesehen war, haben sich vor allem die Umweltschäden im südlichen Nevada und den angrenzenden Distrikten Kaliforniens und Arizonas verschlimmert. Die Stadt ist schon längst so groß geworden, dass sie über ihre eigenen natürlichen Ressourcen hinausgewachsen ist. Deswegen „wendet [Las Vegas] die eigene Verschwendungssucht aggressiv nach außen und veranstaltet einen Umweltterrorismus gegen seine Nachbarn. ‚Gib uns Dein Wasser, oder wir verschmachten‘“. (Davis 1999, S. 2) Da sehr viele Politiker Wahlkampfspenden von der Glücksspielindustrie erhalten, müssen sie vielen Forderungen von Las Vegas nachgehen, um diese Geldquelle nicht zu verlieren. Deshalb kann sich die Southern Nevada Water Authority, die für die Wasserversorgung im Las Vegas Valley zuständig ist, ohne weitere Probleme Rechte am Wasser aus dem Virgin River, einem Nebenfluss des Colorado Rivers, aneignen um dieses für künftige Zwecke im Lake Mead zu lagern. 1989 hat sich die Behörde sogar Ansprüche auf Oberflächen- und Grundwasser auf einem 320 Quadratkilometer großem Gebiet im ländlichen Nevada gesichert. Dieses unter offiziellem Namen „kooperative Wasserprojekt“, hatte vor allem schlechte Auswirkungen auf die dort ansässigen Rancher, Farmer, Bergbauarbeiter und andere Bewohner, welche das Projekt als „Wasserklau“ bezeichnen. (Davis, 1999, S. 2)

Abb. 4: Lake Mead National Recreation Area (Einzeichnung Hoover Dam) Abb. 4: Lake Mead National Recreation Area (Einzeichnung Hoover Dam)

3.2 Lösungsansätze

3.2.1 Bisherige Maßnahmen gegen die Wasserknappheit

Bisher wurden bereits verschiedenste Maßnahmen ergriffen, um der Wasserknappheit entgegenzuwirken. Die scheinbar einfachste Möglichkeit ist es, so viel Wasser wie möglich einzusparen. Insgesamt gibt es vier Sektoren in Las Vegas, die den größten Teil des Wasserbrauchs ausmachen. An erster Stelle steht die Bevölkerung mit 65 % (s. Abb. 3), die natürlich zuerst in Angriff genommen wird, um direkt den größten Verbraucher zu minimieren. Um das Gelingen der Sparmaßnahmen zu sichern wurden einige neue Vorschriften verfasst, die den Wasserverbrauch regeln sollen. Beispielsweise darf vor dem Haus kein Rasen wachsen und auch auf der Rückseite darf nur maximal die Hälfte der Fläche bepflanzt sein. (Reuschenbach 2014, S. 3) Damit möglichst wenig Wasser unnötigerweise auf der Straße verdampft, ist das sprengen auf Beton verboten und vom 1. Mai bis zum 1. Oktober ist das Bewässern des Gartens ab dem Mittag bis 19 Uhr sogar komplett verboten. Außerdem sollen die Bewohner stattdessen den Rasen durch wüstenähnliche Landschaften ersetzen. Im Englischen nennt man diese Art des Gartenbaus „xeroscaping“. Für diese Gärten werden xerophile Pflanzen wie Kakteen angepflanzt, die auch mit wenig Wasser in trockenen Gebieten wachsen können. Die Southern Nevada Water Authority möchte die Bevölkerung sogar mithilfe von ausgestellten Demonstrationsgärten und finanzieller Entschädigung (Bergmann 2013 [8]) dazu ermuntern auch diese Alternative zum gewöhnlichen Garten in Betracht zu ziehen. (Poyner 1998, S. 6)

Auch die Hotels und Casinos versuchen Wasser zu sparen. Brady Linen ist eine der größten Wäschereien in Las Vegas. Dort werden zum Beispiel die Handtücher der Hotels von MGM Resorts gewaschen. Eric Brady, Präsident von Brady Linen erklärt:

Wir sind in der Endphase eines 13-Millionen-Dollar-Umbaus um diese Wasser sparenden Maschinen einzubauen, die 1,5 Liter Wasser pro Pfund Wäsche verbrauchen.“

Mit neuen wassersparenden Technologien wie dieser, schafft es das Unternehmen acht Millionen Liter Wasser am Tag weniger zu verbrauchen als vorher. Auch andere technische Entwicklungen, wie etwa neue Duschen, die einen geringeren Verbrauch als handelsübliche Duschen haben oder intelligente Klimaanlagen, welche basierend auf der Anwesenheit des Gastes die Temperatur selbstständig regeln können, werden in Hotelzimmern von MGM Resorts eingebaut. Des Weiteren wird versucht auch die Golfplätze mit möglichst wenig Trinkwasser zu bewässern. Nur etwa 20 % der Golfflächen werden mit Trinkwasser gesprengt sagt Dale Hahn. Für den Rest wird sogenanntes Grauwasser verwendet, welches aus Abwasser von Spülen und Duschen kommt. Dieses Wasser wird direkt am Platz aufbereitet und dann zum Bewässern der Grasflächen benutzt. Durch die Wiederverwendung von bereits benutztem Wasser konnte der Sektor Bewässerung seinen Anteil am Wasserbrauch von 9 % (s. Abb. 3) auf 6,5 % (Stand 2012) senken. (Bergmann 2013 [8])

Trotz all dieser Maßnahmen, wird der Wasserspiegel des Lake Mead weiterhin sinken. Das liegt daran, dass die Stadt immer noch zu viel verbraucht und durch den voranschreitenden Klimawandel kombiniert mit Trockenzeiten in den Rocky Mountains, der Colorado River weniger Wasser führt als sonst. Mithilfe von sogenannten Intakes wird das Wasser aus dem See nach Las Vegas transportiert. Intakes werden oft auch mit Strohhalmen verglichen. Sie sind lange Rohre, welche unterirdisch mit dem Lake Mead verbunden sind. Durch sie wird Wasser aus dem See gepumpt, das dann durch ein Verteilungssystem bis nach Las Vegas gebracht wird. Es gibt schon zwei dieser Rohre, welche in ungefähr derselben Tiefe angebracht sind. Wegen des bereits beschriebenen Absinken des Wasserspiegels werden diese allerdings bald an der Luft liegen und können die Stadt nicht mehr versorgen. Außerdem wird ab einem zu niedrigen Level die Wasserqualität schlechter, da die oberen Wasserschichten stärker von der Sonne erwärmt werden und Keimbildungen dadurch beschleunigt werden. Um diesem Problem entgegenzuwirken, wurde 2008 der Bau des Intake No. 3 begonnen, der im September 2015 fertiggestellt wurde. Intake No. 3 befindet sich am Grund des Sees weitaus tiefer unter der Wasseroberfläche als die anderen Rohre. In dieser Tiefe ist das Wasser am kältesten und hat somit die beste Qualität. Außerdem wird durch diesen neuen Anschluss die Versorgung von Las Vegas für mehr Zeit sichergestellt als es mit Intake No. 1 und Intake No. 2 möglich wäre. Eine nachhaltige Lösung ist es allerdings nicht, da der Bau dieses Systems nichts am eigentlichen Problem ändert. (SNWA 2016 [12])

3.2.2 Ideen für zukünftige Lösungsmöglichkeiten der Wasserknappheit

Las Vegas ist also schon auf einem guten Weg den Wasserverbrauch zu senken. Trotzdem gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, die in Zukunft in Angriff genommen werden können. Wie bereits festgestellt wurde, ist die Lage von Las Vegas in keinster Weise optimal für eine Millionenstadt. (s. 2.3 Natur im Umfeld von Las Vegas) Dennoch wächst die Stadt beständig weiter, weil immer mehr Menschen dort leben wollen. (s. 2.1 Stadtbau von Las Vegas) Um die Auswirkungen der suboptimalen Lage von Las Vegas zu minimieren, muss das rasante Bevölkerungswachstum abgemildert oder sogar ganz gestoppt werden. Durch geschickte Änderungen von Push- und Pull-Faktoren wäre solch eine Änderung möglich. Erschließungen neuer Städte und Verbesserung oder Errichtung neuer Infrastrukturen in Gegenden mit genügend Ressourcen würde den Anreiz dorthin zu ziehen erhöhen. Eine gleichzeitige Erhöhung von Wasserpreisen und Steuern in Las Vegas führt zur Stärkung der Push-Faktoren. Mit weiteren Änderungen an diesen Faktoren wäre es tatsächlich möglich Teile der Bevölkerung umzusiedeln. Allerdings wäre diese Umsiedelung zu komplex und teuer, um sie heutzutage durchzuführen. Diese Möglichkeit gilt eher als Last Minute Lösung, wenn es sonst keinen Ausweg mehr für die Sicherung der Stadt gibt.(Poyner 1998, S. 3–4)

Des Weiteren müssen in Zukunft die bereits vorhandenen Ressourcen besser genutzt werden, indem die Effizienz der Wasserversorgung durch technologische Weiterentwicklung der Wasserwerke gesteigert wird. Die Kosten für Forschung in den Bereichen der Pump- und Verteilungssysteme und in Speichern wie dem Lake Mead sind allerdings relativ hoch, weswegen vernünftigere Wasserpreise vonnöten sind, die auch „versteckte“ Dienstleistungen wie die ständige Verbesserung der Technik mit berücksichtigen. (Poyner 1998, S. 5)

Die wohl wichtigste Rolle spielt das Verhalten der Bewohner von Las Vegas. Um für ein Umdenken zu sorgen, müssen diese zukünftig mehr auf die Probleme aufmerksam gemacht werden. Die Bevölkerung muss mitbekommen, dass ihre Versorgung unter ihrem Konsumverhalten leiden kann. Zusätzlich müssen Programme gestartet werden, in denen weitere Anregungen und Ideen gegeben werden, um Wasser zu sparen, denn laut einer Umfrage, die 1994 in Las Vegas durchgeführt wurde, versuchen bereits 88 % zu Hause ihren Wasserverbrauch einzuschränken. (Poyner 1998, S. 5)

Zuletzt bieten auch andere, neue digitale Technologien Vorteile für die Bürger. Eine intelligente Heimsteuerung kann zum Beispiel verwendet werden, um Rasensprinkler mittels Zeitschaltuhren so zu steuern, dass sie nur während den Morgen- und Abendstunden laufen, um Verdunstung vorzubeugen. Und auch in den Häusern kann durch automatisierte Steuerung von Klimaanlagen, Wasserhähnen und Duschen der Wasserverbrauch gesenkt werden.

4 Energieversorgung Las Vegas

4.1 Schwierigkeiten bei der Energiegewinnung- und versorgung

Las Vegas hat allerdings nicht nur mit der Wasserversorgung zu kämpfen. Einhergehend mit der Masse an Bewohnern und Touristen, ist der riesige Energieverbrauch. Der bereits angesprochene Wasser-Fetischismus lässt sich genauso auf Strom anwenden. Mit dieser wertvollen Ressource wird mindestens genauso verschwenderisch umgegangen. Gerade der Strip zeigt sich als ein schlechtes Vorbild. Er macht die Nacht regelrecht zum Tag mit seinen vielen Lichtern und Scheinwerfern, die bis zum Morgengrauen leuchten. Die meisten Touristen glauben natürlich, dass der Strom für die Stadt am nahegelegenen Hoover Damm erzeugt wird. Tatsächlich wird dort durch Turbinen aus dem fließenden Wasser relativ sauberer Strom generiert. Die meiste Elektrizität wird allerdings nach Südkalifornien exportiert. Der Strom, der wirklich in Las Vegas verwendet wird, stammt aus umweltverschmutzenden Kohlekraftwerken. Diese Kraftwerke stehen am Colorado River und nordöstlich von Las Vegas in dem Moapa-Indianerreservat. Tatsächlich kommt laut Davis (1999, S.2) nur etwa vier Prozent aus sauberen Wasserkraftwerken. (Davis 1999, S. 2)

4.2 Lösungsansätze

4.2.1 Bisherige Maßnahmen zur Verbesserung der Energiegewinnung

Las Vegas hätte es nicht nötig Strom von Kohlekraftwerken zu nutzen. Gerade die für die Wasserversorgung prekäre Lage der Stadt (s. 2.3 Natur im Umfeld Las Vegas), bietet einige Möglichkeiten erneuerbare und saubere Elektrizität zu gewinnen. Denn Sonne für Fotovoltaikanlagen oder Solarwärmekraftwerk gibt es dort genug. Ein Beispiel hierfür ist das Nevada Solar One südöstlich der Sloan National Conservation Area. Das Nevada Solar One ist ein Solarwärmekraftwerk, das 2007 ans Netz gegangen ist. Es nutzt die Kraft der Sonne, indem es mit großen Reflektoren das Licht auf Rohre bündelt. In den Rohren zirkuliert Öl, das durch die Sonnenstrahlen erhitzt wird. Dadurch kann Dampf erzeugt werden, welcher dann eine Turbine antreibt. Mit diesem Kraftwerk werden rein rechnerisch ungefähr 15.000 Haushalte mit Strom versorgt und jährlich etwa 90.000 Tonnen Kohlenstoffdioxidausstoß verhindert. Das in einem Jahr eingesparte Kohlenstoffdioxid wird im Vergleich dazu in einem Kohlekraftwerk nach fünf Tagen bereits an die Umwelt abgegeben. (Dowideit 2007 [13]) Zusätzlich befindet sich direkt neben dem Nevada Solar One die Copper Mountain Solar Facility. Mit insgesamt vier Fotovoltaik Anlagen schafft es der gesamte Komplex mit Nevada Solar One (s. Abb. 5) zusammen eine Gesamtleistung von ungefähr einem Gigawatt zu generieren. Das ist etwa die Hälfte von dem, was das Wasserkraftwerk im Hoover Damm produziert. Solaranlagen sind also definitiv eine Alternative, welche in Betracht gezogen werden sollte. (ebd.)

Abb. 5: Satellitenansicht von Nevada Solar One und Copper Mountain Abb. 5: Satellitenansicht von Nevada Solar One und Copper Mountain

4.2.2 Ideen für zukünftige Arten der Energiegewinnung

Zukünftig muss Las Vegas weiter in sonnenbetriebene Kraftwerke investieren. Besonders die Forschung erneuerbarer Energiegewinnung muss gefördert werden und besonders finanziell unterstützt werden damit künftig mit angemessenen Kosten große Solarparks gebaut werden. Eine Idee, die möglicherweise sogar zwei Probleme auf einmal lösen könnte wäre eine Solarkraftanlage auf dem Lake Mead. In Baden-Württemberg steht seit Frühjahr 2019 auf einem Baggersee in Renchen die größte schwimmende Fotovoltaikanlage Deutschlands. Solch ein System bietet mehrere Vorteile gegenüber Üblichen. Erstens sind an einem See wie dem Lake Mead bereits Teile der nötigen Infrastruktur vorhanden um Strom zu gewinnen, da hier bereits durch Wasserenergie Elektrizität hergestellt wird. Außerdem ist die Wasseroberfläche so groß, dass bereits ein kleiner Teil dieser Fläche für eine große Anlage ausreichen würde. Im Gegenteil zu Solarzellen auf dem Land wird hier kein wertvoller Baugrund verwendet, da der größte Teil des Sees ungenutzt ist. Zusätzlich wird das Wasser vor zu hoher Sonneneinstrahlung geschützt. Im Lake Mead würde das zu einer Abkühlung der oberen Wasserschichten führen, wodurch die Qualität des Wassers erhalten bliebe und somit auch als Trinkwasser verwendbar wäre. Des Weiteren bietet die weite, flache Wasseroberfläche den optimalen Standort um die Solarpanels im perfekten Winkel zur Sonne zu positionieren. Wobei auch Schatten von Bergen oder Häusern keine Rolle mehr spielen. Schließlich ist eine schwimmende Fotovoltaikanlage effizienter als eine auf dem Land. Das liegt an dem kühlenden Effekt des Wassers und an den Reflexionen der Sonnenstrahlen an der Wasseroberfläche, welche den Wirkungsgrad der Solarzellen erhöhen. (Erdgas Südwest 2019 [14])

5 Ausblick auf die Zukunft Las Vegas

Wie der Titel dieser Arbeit bereits impliziert steht Las Vegas in einem Kampf mit der Natur. Wie dieser Kampf ausgehen wird, ist noch unklar. Einerseits hat Las Vegas starke Auswirkungen auf die Natur. Durch die ständige flächenmäßige Ausdehnung der Stadt und der extremen Wasserverschwendung wird immer mehr Tieren und Pflanzen der Lebensraum geraubt. Auch die Umweltbelastungen durch den hohen Autoverkehr in der überdimensionalen Stadt und die Verwendung von schmutzigen Kohlekraftwerken sind nicht zu unterschätzen. Andererseits bringt eine Metropole, gebaut in einer derart lebensfeindlichen Umgebung, bringt deren Einwohner zwangsläufig in echte Schwierigkeiten und führt zu schier unüberwindbaren Herausforderungen in der Zukunft. Ohne überlegtes Handeln der Menschen in Las Vegas werden der Stadt relativ bald nötige Ressourcen zum Überleben ausgehen. Der immer weiter voranschreitende Klimawandel wird auch in dieser Region immer stärker und führt zusammen mit Trockenzeiten in den Rocky Mountains dazu, dass der Wasserspiegel des Lake Mead weiter sinkt und das vorhandene Wasser nicht mehr für die Stadt ausreicht. Auch der verschwenderische Lebensstil der Bevölkerung trägt erheblich zu dieser Entwicklung bei. Wenn also alles so weiter geht wie bisher, werden sowohl Las Vegas als auch die Natur großen Schaden erleiden. Circa 600 andere Städte, die in ganz Nevada verteilt liegen, sogenannte Geisterstädte, haben gezeigt, dass der Lebensraum Wüste für den Menschen äußerst ungeeignet ist. Nach kurzer Blüte sind sie alle der Natur verfallen. Damals hat sie der Gold- und Silberrausch überall aus dem Boden sprießen lassen, heute ziehen Glücksspiel und Unterhaltung die Massen in die Wüste. (Weißenborn 2019 [15])

Abb. 6: Vergänglich - Die Überreste eines Geschäfts in Rhyolite Abb. 6: Vergänglich - Die Überreste eines Geschäfts in Rhyolite

6 Literaturverzeichnis